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158. Montagsgesprch im Musiklabor Mnchen

Atomare Klangwelten

Wolfgang M. Heckl

In diesem Montagsgesprch diskutieren wir nicht nur wie Atome mit Hilfe des Rastertunnelmikroskops in milliardenfacher Vergrerung fr das menschliche Auge als kolorierte Punktwolken der quanten-mechanischen Aufenthaltwahrscheinlichkeit ihrer Elektronen sichtbar gemacht werden, sondern erleben auch erstmals in einem Hrbild, wie die zeilenfrmig abgetasteten Elektronendichtewolken einzelner Atome, darunter das kleinste (atomare) Loch der Welt (Guinnes Book der Rekorde, W.M.Heckl, und J. Maddocks,1993), einzelne Farbstoffmolekle (Coronen), DNA-Molekle( die Stickstoffbase Adenin), sowie ein ganzer menschlicher Chromosomensatz als atomare Klangwelten vertont klingen. Die atomare Struktur der Materie wird damit nicht nur ber den visuellen Kanal, sondern auch als Atom- und Moleklmusik individueller elementarer Bausteine ber den emotionaleren Audiokanal den menschlichen Sinnen zugnglich gemacht.

In der optischen Wahrnehmung stellt sich die Frage nach der Interpretation der im Rastertunnelmikroskop erfahrbaren Wirklichkeit neu. Denn zwischen dem milliardenfach vergrertem Bild und der Ausgangssituation der unbeeinflussten atomaren Materie liegt ein mehrfacher Transferprozess, der an jeder Stelle sowohl objektiven, technischen Kriterien, wie auch subjektiven Auswahlkriterien unterworfen ist. Die Frage nach der Wirklichkeit des Endergebnisses eines solchen Prozesses, also die Frage nach der korrekten Transfer-Funktion, oder anders, was bedeutet eigentlich Sehen auf der atomaren Skala, von der wir doch aus der Erfahrung keine Vorstellung haben, tritt damit ganz drastisch hervor.

Vielleicht wre es der intuitiven, ja emotionalen Aufnahme des Sachverhalts durchaus mehr angepasst die Struktur von Atomanordnungen zu hren, als zu sehen. Immerhin wissen wir, dass der Audioaufnahmekanal des Menschen, sehr empfindlich, weil logarithmisch wahrnimmt, whrend das Auge Intensitten weitgehend nur linear verarbeitet. Wie man Atome also nicht nur sehen, sondern ihre kristallographische Anordnung auch zum ersten Mal hren kann, haben wir in einem Projekt Atomare Klangwelten erstmals gezeigt (Proben unter www.nano-science.de). Damit steht uns vielleicht auch ein Sonic Turn bevor, der ganz neue Aspekte beinhaltet, in dem er das Unhrbare hrbar macht.

Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl - Ludwig-Maximilians Universitt, Geo- and Environmental Sciences - ist Sprecher von Excellence Network, Nanobiotechnology, GeoBioCenter and Center for Nanosience. Theresienstr. 41, 80333 Mnchen, Tel.+Fax. +49-89-21804331. http://www.nano.geo.uni-muenchen.de/

 

Montag, 17. Mai 2004 - 20:00 Uhr

Eintritt frei

Carl Orff Auditorium
Mnchen, Luisenstr. 37a
U-Bahn U2 Knigsplatz

Musiklabor

Veranstalter:
Echtzeithalle e.V.
in Zusammenarbeit mit der Hochschule fr Musik und Theater Mnchen

Tel. 089 / 289 27 477 oder 089 / 2721856
www.echtzeithalle.de  

Letzte nderung: 10.01.2007
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